Die Schüler einer Klasse bleiben in der Regel zwölf Jahre lang zusammen, denn die Waldorfschule möchte allen Schülern eine umfassende Bildung ermöglichen. Statt der Notenzeugnisse werden am Schuljahresende ausführliche Wortzeugnisse erteilt, aus denen die Eltern ein möglichst genaues Bild von den Fähigkeiten, der Einsatzbereitschaft und dem Kenntnisstand ihres Kindes gewinnen sollen. Dabei gibt es keine vergleichenden Noten, sondern der Einsatz des Kindes wird an seinen eigenen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Grenzen beurteilt.
Sie ermöglicht ihren Schülern je nach Begabung den Qualifizierenden Hauptschulab-schluss, die Mittlere Reife oder das Abitur in der gültigen staatlichen Form. Das Ziel ist es zu Aufschlüssen und erst in zweiter Linie zu Abschlüssen zu führen, um tragende Grundlagen für den Lebensweg nach der Schulzeit vorzubereiten. Darauf gründet der Waldorfabschluss, der an allen Waldorfschulen abgelegt wird.
Waldorfabschluss bedeutet kurz gesagt, ein Schüler hat die Praktika der Oberstufe durchlaufen, hat eine nicht zu unterschätzende Bildung in den künstlerisch-praktischen Fächern, stabile Grundlagen in allen anderen Fächern, den Eurythmieabschluss gemacht (ein wesentlicher Bestandteil der Waldorfschulen) und eine Jahresarbeit mit theoretischem und praktisch-künstlerischem Teil präsentiert. In der 12. Klasse könnte er, wenn er das möchte, die Schule mit dem Waldorfabschluss verlassen.
Das Kultusministerium hat den Schulen in freier Trägerschaft frei gestellt, das 8-stufige Gymnasium ab September 2004 einzuführen. Für die Waldorfschulen gilt es jetzt, die typische Waldorfschulzeit von 12 Jahren mit den neuen Gegebenheiten zu vereinbaren. Aus verschiedenen Gründen ist mit einer sofortigen Einführung der 8-stufigen Oberstufe an bayerischen Waldorfschulen jedoch nicht zu rechnen.