Comenius-Projektwoche vom 11. bis 15. April 2005
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| Die Jugendlichen aus Deutschland, Tschechien, Polen und Frankreich beim gemeinsamen Volkstanz in der Freien Waldorfschule Hof. Sie sind trotz der anfänglichen Sprachschwierigkeiten mit Spaß gemeinsam bei der Sache |
Die traditionelle Braukunst in Tschechien und typisch böhmische Gerichte wurden in den aus dem 14. Jahrhundert stammenden, in Granitfelsen gehauenen Lagerkellern genossen. |
Ein besonders völkerverbindendes Erlebnis war am Abend das gemeinsame Kochen von Kartoffelgerichten aus den verschiedenen Regionen |
Das erste große Ereignis des laufenden Comenius-Projektjahres, das die Freie Waldorfschule Hof zusammen mit der koordinierenden deutschen Partnerschule, der Staatlichen Realschule Rehau, organisierte, ging am 15. April mit bewegenden Abschiedsszenen zu Ende. Nachdem im Vorfeld schon mehrere kurze Treffen stattgefunden hatten, begegneten sich in der Woche vom 11. bis 15. April zum ersten Mal Teilnehmer aus allen fünf Partnerschulen persönlich und arbeiteten miteinander an dem gemeinsamen Thema „Esskultur in verschiedenen Regionen Europas“.
Nicht nur in deutschen Medien ist die gesunde Ernährung derzeit ein Dauerthema. Von Fehlernährung der heranwachsenden Generation und den damit verbundenen gesundheitlichen Problemen, aber auch von sozialer Verarmung bis hin zum „ Koch-Analphabetismus“ ist die Rede, da in vielen modernen Familien zu selten gemein-sam gekocht und gegessen wird. Anstelle liebevoll zubereiteter Mahlzeiten nehmen viele Jugendliche nur noch gedankenlos „tote“ Kalorien zu sich.
Während der dreijährigen Projektarbeit soll deshalb bei den Schülern ein neues Gefühl für Esskultur geweckt werden. Sie sollen wieder einen bewussten Umgang mit „Lebens-Mitteln“ im jahreszeitlichen Ablauf erleben, indem sie sich mit der regionalen Landwirtschaft und vor allem mit dem ökologischen Landbau beschäftigen. Darüber hinaus sollen sie Essen als kulturelles Erbe und seine Ausprägung in den verschiedenen Jahresfesten und Bräuchen wiederentdecken, denn diese Traditionen und Rituale erzeugen eine Wahrnehmung für den eigenen Kulturkreis und geben dem täglichen Leben einen Rhythmus, den wir in unserer modernen Zeit oft vermissen. Beim Vergleich mit Essensgewohnheiten je nach Klima und Mentalität in anderen europäischen Regionen können hier Unterschiede, aber auch zahlreiche Gemeinsamkeiten entdeckt werden. Esskultur ist darüber hinaus ein wichtiges kulturverbindendes Element als Mittelpunkt von Gastfreundschaft und Geselligkeit und somit bestens geeignet, zur Völkerverständigung beizutragen.
Während der Projektwoche wurden unter anderem die unterschiedlichen Osterbräuche in Polen, Tschechien, Deutschland und Frankreich verglichen. Sichtlich viel Spaß hatten Schüler, Lehrer und Direktoren beim gemeinsamen Einstudieren alter Volkstänze aus den verschiedenen Regionen.
Ein ganzer Tag war der Porzellanherstellung als wichtiger Teil der Tischkultur gewidmet. Hier standen eine interessante Führung zur Porzellanherstellung im Industriemuseum Selb-Plößberg und ein Besuch im Porzellanmuseum in Hohenberg auf dem Programm, bei dem alle Beteiligten begeistert ihr Talent zum Porzellanmalen unter Beweis stellten. So konnten die polnischen, tschechischen und französischen Gäste eine eigenhändig bemalte Tasse als Erinnerungsstück mit nach Hause nehmen. Ein besonders völkerverbindendes Erlebnis war am Abend das gemeinsame Kochen von Kartoffelgerichten aus den verschiedenen Regionen. Während eines ganztägigen Ausfluges nach Tschechien wurde zunächst eine gemeinsame Kunstausstellung des Gymnasium Asch mit der Freien Waldorfschule Hof eröffnet. Nach einer kurzen Stadtführung und einem offiziellen Empfang im Rathaus wurden die Projektteilnehmer vom Direktor des Ascher Gymnasiums begrüßt und waren von den zahlreichen Aktivitäten und Erfolgen im sportlichen und kulturellen Bereich dieser Schule beeindruckt. Die traditionelle Braukunst in Tschechien konnten die Gäste bei einem Besuch in der alten Familienbrauerei von Chodovar kennen lernen und genossen typisch böhmische Gerichte in den aus dem 14. Jahrhundert stammenden, in Granitfelsen gehauenen Lagerkellern. In Marienbad kosteten alle von den berühmten warmen Oblaten und konnten bei einem Rundgang durch die Kurstadt gut nachvollziehen, weshalb Goethe sich gerade hier so wohl fühlte.
Mit einer Wanderung nach Pilgramsreuth begab man sich die Spuren der Geschichte der Kartoffel. Der feldmäßige Anbau in Bayern hatte hier seinen Ursprung. Auf dem Biobauernhof der Familie Röder werden die „Erdäpfel“, die ein Pilgramsreuther Bauer vor mehr als 350 Jahren aus dem böhmischen Rossbach mitgebracht hatte, noch auf traditionelle Art ohne chemischen Dünger angebaut. Wie der Kartoffelanbau mit der örtlichen Kirchengeschichte zusammenhängt, erfuhren die europäischen Gäste während der Besichtigung der Dorfkirche, einer der schönsten in Bayern.
Am Freitag Mittag war nach einer beeindruckenden Führung von Eugen Gomringer durch das Kunsthaus Rehau und einem Besuch in den Ascher Stuben das offizielle Programm beendet. Nachdem alle Teilnehmer ein letztes Mal die mehrsprachige „Projekthymne“ gesungen hatten, machten sie sich mit tiefen Eindrücken von dem Erlebten und bewegt von der herzlichen Atmosphäre, die während der gemeinsamen Projektwoche trotz aller europäischen Mentalitätsunterschiede herrschte, auf den mehr oder weniger weiten Heimweg.
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