Am frühen Samstagmorgen brachen drei Lehrer der Waldorfschule mit vier Schülern der 7. Klasse nach Frankreich auf, wo wir nach rund tausend Kilometern am Abend zusammen mit Lehrern und Schülern aus Rehau und Asch von den Franzosen in Bourgoin-Jallieu herzlich empfangen wurden. Unsere Schüler und Schülerinnen wurden mit den jungen Tschechen gemeinsam in Gastfamilien untergebracht, denn sie sollten versuchen zu dolmetschen. Diese Aufgabe erfüllten sie dann auch erstaunlich gut.
Ihre Französischkenntnisse mussten sie am Sonntag gleich mehrmals unter Beweis stellen. Wir lösten am Bahnhof Fahrkarten nach Lyon, fuhren dann mit der Metro ins Zentrum und mit der Zahnradbahn hinauf auf den Hügel von Fourvière, wo wir die Basilika und das römische Theater besichtigten. Den Schülern machte es sichtlich Spaß, nach dem Weg zu fragen oder die richtigen Verkehrsverbindungen herauszufinden. Ganz selbstbewusst machten sie sich dann in der malerischen Altstadt von Lyon allein auf den Weg, gingen in Geschäfte und bestellten sich zu Essen und zu Trinken. Am Ende des heißen Tages konnten sie auch alle Eissorten ( und das sind nicht wenige!) auf Französisch aufsagen.
Zusammen mit einigen französischen Schülern fuhren wir am Montag nach Süden in das Gebirge des Vercors, wo wir in die wunderbare, kühle Unterwelt der Grotten von Choranche geführt wurden. Mittags kauften unsere Jugendlichen in einem Bergdorf Lebensmittel für ein gemeinsames Picknick ein. Am Ufer eines Gebirgsflusses ließen wir uns nieder und aßen herrlichen französischen Käse mit Baguette, frisches Gemüse und Obst. Am Nachmittag unternahmen wir eine zweistündige Schifffahrt auf einem Raddampfer auf der Isère. Dabei konnten wir in dem Naturschutzgebiet viele seltene Tiere beobachten. Wir sahen Wasserschildkröten, Biber, eine Graureiherkolonie mit den nackten Jungen im Nest, Eisvögel und brütende Schwäne.
Als wir zurückkamen, hatten einige Gasteltern spontan ein mehrgängiges Essen für uns Lehrer organisiert. So genossen wir lange die laue Sommernacht im Garten und fühlten uns, als ob Europa an einem Tisch versammelt wäre!
Am Dienstag morgen arbeiteten wir trotz hochsommerlicher Temperaturen in der französischen Schule an unserem Projekt und kamen ein gutes Stück voran. Nach dem Mittagessen in der Schulkantine durften die deutschen und tschechischen Schüler mit ihren französischen Freunden die Stadt erkunden und abends mit ihren Gastfamilien das Musikfest zum Sommeranfang erleben.
Auf der Fahrt nach Hause beantworteten unsere Schüler die Frage, was denn nun das schönste Erlebnis in Frankreich war, zu unserem Erstaunen mit der folgenden Feststellung : „Alles war wirklich toll, aber das Beste war unsere französische Gastfamilie und die Tatsache, dass wir mit den Tschechen dort zusammen sein konnten.“
Einen besseren Abschluss konnte unsere letzte Projektreise eigentlich nicht finden.