Gartenbau


Der Gartenbau-Unterricht bedeutet in erster Linie tätig werden im Garten durch den Jahreslauf hindurch.

Er beginnt in der 6. Klasse, denn nun sind die SchülerInnen so groß und kräftig, dass sie die Gartenwerkzeuge richtig handhaben, ihre Kräfte ausdauernd einsetzen können und sie in die Lage kommen, auch größere Zeitspannen von der Aussaat im Frühjahr bis zur Ernte im Herbst bewusstseinsmäßig zu umspannen.

Was erleben die SchülerInnen im Garten?

Sie bearbeiten die Erde, bereiten ein Beet saatfertig vor, legen den Samen hinein und können nun beobachten, wie ein zarter, grüner Keimling aus der dunklen Erde hervorbricht, durch die Wochen, Monate hindurch wächst und heranreift und schließlich eine Zwiebel, Möhre oder ein Salat geerntet werden kann. Dazu braucht es vom Menschen immer wieder ein genaues Hinschauen: wie entfalten sich die Pflanzen, wie sieht der Boden aus, muss jetzt gehackt oder gejätet werden oder brauchen die Tomaten Wasser?

Die SchülerInnen erleben eine Vielfalt an Sinneserfahrungen, die je nach Temperament und Veranlagung, Sympathie- oder Antipathiekräfte hervorrufen können. Das richtige Gartenbauwetter gibt es selten; so ist es meist zu nass, zu kalt, zu heiß, zu stürmisch oder...

Es gibt gröbere Erd- und Steinarbeiten, die körperlichen Einsatz und Ausdauer erfordern, und es gibt Feinarbeiten wie Pikieren, Topfen, Pflanzen usw. Sie erfahren, dass jede Gemüseart ihre Zeit hat; so kann ein Salat schon im späten Frühjahr geerntet werden, die Bohnen im Sommer und manches erst im Herbst, wie der Kürbis. Sie machen sich vertraut mit der Verarbeitung von Gemüse, Obst und Kräutern. Vor ihren Augen entfaltet sich der Garten in seinem Werden und Vergehen, in seiner Schönheit der bunten Pflanzen-, Tier- und Insektenwelt. Der Garten kann eine anziehende Stimmung ausstrahlen, in der man sich wohlfühlt.

Der Schüler steht also mittendrin im Prozess des lebendigen Wachsens und Gedeihens – mehr oder weniger bewusst. Er nimmt wahr, dass es die Pflege des Menschen braucht, aber auch noch ganz andere, von ihm unabhängige Kräfte wirksam sind, nämlich die kosmischen. Diese können unmittelbar., z.B. im Wetter, erlebt werden. Ganz nüchtern betrachtet: er lernt etwas über die Herkunft der Lebensmittel, die er täglich zu sich nimmt, nicht aus theoretischer Sicht, sondern durch praktische Arbeit.

Es ist für den Menschen in unserer Zeit mehr denn je von großer Bedeutung, eine Beziehung zur Natur zu entwickeln; die Pflanzen- und Tierwelt, die Erde ist unser aller Grundlage. Eine Möglichkeit, die zunehmende Distanz ansatzweise zu überwinden, bietet der Gartenbau-Unterricht. Er wirkt über die Willensseite des Menschen, über den tätigen Umgang mit der Erde und kann so helfen, eine seelische Verbindung zum Naturgeschehen zu schaffen.

In der 9. Klasse findet diese Arbeit in und mit der Natur ihre Fortsetzung im 3-wöchigen Landwirtschaftspraktikum und in der 10. Klasse im Forstpraktikum - jedes Mal ein Schritt weiter hinaus in einen größeren Lebens- und Arbeitszusammenhang.

I. Scheidecker (Gartenbaulehrerin)


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