Die Schulgeschichte


1983 eröffnete in Hof auf einem der Hügel der Stadt ein Waldorfkindergarten seine Arbeit in drei Kindergruppen. Es festigte sich bald ein guter Ruf und es wurde immer schwerer für interessierte Eltern, einen Platz für ihr Kind in dieser Einrichtung zu bekommen. Bald regte sich unter den Eltern des Kindergartens der Wunsch, diese Pädagogik auch nach dem Beginn der Schulpflicht fortzusetzen. Naturgemäß ebbte dieser Wunsch aber mehrmals wieder ab, wenn die eigenen Kinder dann doch in die staatlichen Schulen übergetreten waren.

1989 gab es jedoch eine Elterngruppe, vorwiegend junge Mütter, die sich zwar für die eigenen Kinder kaum noch eine Chance ausrechnen konnten, die aber die nötige Willenskraft und den Mut besaßen, sich bedingungslos für die Verwirklichung einer Schulgründung einzusetzen.

Eine intensive Zeit der Vorbereitung begann: mit künstlerischen Aktivitäten, mit internen sowie öffentlichen Kursen für ein vertieftes Verstehen der menschenkundlichen Zielsetzungen einer Waldorfschule, mit vielen öffentlichen Vorträgen namhafter Vertreter der Waldorfpädagogik, mit Gastspielen von Eurythmiegruppen u.a.m.

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Die Gründungsinitiative rief den Arbeitskreis zur Gründung einer Waldorfschule in Hof ins Leben und führte sich als ernstzunehmende Gruppe bei der Landesarbeitsgemeinschaft der bayrischen Waldorfschulen und beim Bund der deutschen Waldorfschulen in Stuttgart ein. Bis dahin war es eine reine Elterngründung, aber aus starkem und treuem Elternwillen.

1991 wurden mit Waltraud Maus-Rinke und Walter Rinke von der Waldorfschule in Ulm unter Mithilfe des Bundes der Waldorfschulen die Gründungslehrer gefunden, mit denen die Aussicht auf baldige Realisation konkreter werden konnte. Ein drohender politischer Gründungsstopp in Bayern beschleunigte den Prozess. Der Arbeitskreis Waldorfschule Hof e.V. wurde als zukünftiger Wirtschaftsträger der Schule gegründet.

Nun intensivierte sich die Vorbereitung durch Öffentlichkeitsarbeit und durch Verhandlungen mit der Stadt und mit den politischen Vertretern der Region sowie den Schulbehörden. Auch namhafte Industrievertreter sagten tatkräftige Unterstützung zu. Dankbar kann man darauf schauen, dass alle Entscheidungen der Stadt Hof während der Aufbauarbeit über alle Parteigrenzen hinweg mit großer Einmütigkeit zugunsten der Schule getroffen wurden.

1992 stellte die Stadt in einem Vorort (Wölbattendorf) ein Schulhaus zu denkbar günstigen Bedingungen in Aussicht. Dadurch entstand die Möglichkeit, während vier bis fünf Jahren auch schon einige Mittel ansparen zu können, um die Schule dann an einem endgültigen Standort zu verwirklichen.

Mit Tausenden Arbeitsstunden gestalteten die zukünftigen Eltern das Dorfschulhaus bei geringen Kosten zu einer richtigen Waldorfschule um.

Im September 1992 eröffnete die Schule ihren Betrieb mit 62 Kindern in zwei Klassen (Jahrgang 1 und 3). Fünf Lehrer verantworteten miteinander die pädagogische Arbeit als Gründungskollegium.

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1993 kamen noch einmal zwei Klassen hinzu, so dass dann die Grundstufe aufsteigend vorhanden war. Um die nötigen Fachräume zu haben, errichteten die Eltern und Mitarbeiter der Schule auf dem vorläufigen Gelände neben dem Schulhaus einen Holzbau mit zwei weiteren Klassen und einem kleinen Festsaal, außerdem zerlegten sie ein altes Tennisheim und bauten es zu einem Bürokomplex und zu einem weiteren Klassenzimmer um. Dazu entstand noch ein erster Werkraum als Anbau. Diese Gebäude wurden so errichtet, dass sie - in die Bestandteile zerlegt - später von der Schulgemeinschaft in Eigenarbeit beim Umzug an den endgültigen Standort verpflanzt werden konnten. Dann wuchs die Schule Jahr um Jahr um eine Klasse, bis zuletzt 2002 auch die Abiturklasse eingerichtet war.

1996 Nach langen Verhandlungen hat die Stadt Hof vom Bayerischen Roten Kreuz etwa 20.000 m² Gelände auf dem Otterberg in unmittelbarer Nachbarschaft des Waldorfkindergartens erworben, als Baugelände erschlossen und zu äußerst fairen Bedingungen dem Schulverein als Erbpachtgelände für 100 Jahre zur Verfügung gestellt. Das Hanggelände im Randbereich der Stadt bietet einen herrlichen Fernblick auf das Fichtelgebirge.

Im April 1996 ist die feierliche Grundsteinlegung für unseren ersten Bauabschnitt und schon im September kann die Schulgemeinschaft in den mit einfachen Mitteln, aber mit modernster, umweltbewusster Technologie ausgestatteten Holzbau einziehen. Das Gebäude ist als Interimsbau konzipiert, später soll die Oberstufe dort untergebracht sein, ehe in ferner Zukunft auf diesen Fundamenten der therapeutische Bereich der Schule entstehen kann. Deshalb haben wir auf jede staatliche Förderung dieses Gebäudes als Schulbau verzichtet, zumal die künftige Schulbauförderung bei weitem nicht alle noch zu erstellenden Räume erfassen wird, die für den Betrieb einer Waldorfschule auf Dauer nötig sind.

Der Bau enthält sieben Klassen, einen Handarbeitsraum, einen Physik- und Chemiesaal, das Lehrerzimmer, das Schulbüro, den Eurythmiesaal sowie die sanitären Anlagen.

Die Heizungszentrale als eine Spende der Firma Viessmann wurde schon von vornherein in einem Container im Freien installiert, dort, wo später der Saalbau entsteht.

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1997 Das Bauen begleitet uns weiter. Das aus Wölbattendorf mitgebrachte Holzhaus, umgebaut, so dass in ihm nun nur noch ein (vergrößerter) Festsaal mit Bühne und zwei Gruppenräume untergebracht sind, wird durch Anbau um zwei weitere Gruppenräume (für den Gartenbau und für die Informatik) erweitert.

1998 Der offiziell Grundschule zu nennende Unterstufenbau entsteht. Hell gestaltete vier Klassenräume, zwei Gruppenräume, ein Eurythmiesaal, ein Musiksaal, Toiletten und ein Lehrer- und Besprechungszimmer entstehen.

Ebenfalls 1998 stellt das Rote Kreuz pachtfrei ein angrenzendes 1,3 ha großes Areal zur Verfügung, das von der 9. Klasse in einer Forstepoche mit ca. 10.000 heimischen Laub- und Nadelbäumen sowie mit Büschen und Hecken bepflanzt wird. Ein Lehrpfad wird später diesen Wald durchziehen.

1999/2000 Der erste Spatenstich wird getan für unser größtes Bauvorhaben, den Saalbau.

Aus Kostengründen entschließt sich die Schulgemeinschaft, die Turnhalle mit dem Festsaal zu kombinieren. Um die Nachteile der Doppelnutzung zu verringern, wird die Bühne in die Mitte der Längsseite eingebaut. Sie ist im Alltag Kleingeräteraum. Auf Knopfdruck hebt sich der Boden zusammen mit einem Stück des Hallenbodens (als Vorbühne) und kann auf eine Höhe von 1m hinaufgefahren werden. So kann die Halle während der Probenarbeit für Klassenspiele bis zur Aufführung von den Turnklassen und Vereinen am Abend genutzt werden, da gegebenenfalls auch die Kulissenaufbauten mit in die Höhe fahren. Die Halle selbst ist mit Holzwänden plastisch ausgestaltet, so dass eine feierliche Stimmung entsteht, wenn die Bühnen- und Festbeleuchtung eingeschaltet ist.

Im unteren Stockwerk, wegen der Hanglage von Südwesten noch ebenerdig, liegen im Hangbereich die Heizungsanlage der ganzen Schule, die Theater- und Kostümrequisite, zwei Holzwerkräume mit Maschinenraum, ein Plastizierraum mit Tonbrennraum, ein Handarbeitsraum für Schneidern, Spinnen, Weben, Batik, sowie ein Buchbinderaum. Nach 1 1/2 Jahren Bauzeit wird das Bauwerk 2001 eingeweiht. Nun ist die Schule für die Zeit voll funktionsfähig, solange noch Baukosten getilgt werden müssen.

Walter Rinke