I. Zweck und Zielsetzung
Die Jahresarbeit soll den Schülern die Gelegenheit geben, durch eine einjährige Arbeit an einem frei gewählten Thema zu zeigen, dass sie selbst gesteckte Ziele über eine längere Zeit hin verfolgen und in der Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit persönlich wachsen können.
Mit dieser Arbeit wollen wir die genormten staatlichen Prüfungen um eine individuelle Bewährungsprobe, eine Art Gesellenstück, als wesentliches Element unseres Waldorfabschlusses ergänzen.
Der prüfungsorientierten Förderung wollen wir eine Qualifikation zur Seite stellen, die auf die Persönlichkeit des Schülers eingeht und sie charakterisiert. Dies spielt bei Bewerbungen in der heutigen Arbeitswelt eine entscheidende Rolle.
Die Beurteilung soll ein Bild der arbeitenden Persönlichkeit widerspiegeln, wird also genauso auf den Prozeß der Arbeit am selbst gewählten Thema wie auf die praktischen, künstlerischen und gedanklichen Fähigkeiten schauen, die im Ergebnis dieser Arbeit zum Ausdruck kommen.
In gleicher Weise soll daher auf Kontinuität und Qualität des Arbeitsprozesses über das Jahr hinweg, wie auf das Ergebnis am Ende geschaut werden. Kriterien hierfür sind unter Punkt IV formuliert.
Eine erfolgreich abgeschlossene Jahresarbeit (siehe IV. Minimalkriterien) ist für die Aufnahme in die Mittlere Reife- und Abiturklasse Voraussetzung.
II. Themenwahl und Ablauf der Jahresarbeit
Es steht den SchülerInnen frei, ob sie ihr Thema aus einem praktischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Bereich wählen. Themen, die der direkten Prüfungsvorbereitung der staatlichen Abschlüsse dienen, sind nicht erwünscht.
Man darf aber durchaus an ein Interessengebiet anknüpfen, mit dem man sich schon länger beschäftigt - allerdings sollte in diesem Fall ein neuer Teilbereich erschlossen werden.
Änderungen des selbst gewählten Themas sind nur bedingt und höchstens bis vor den Weihnachtsferien möglich.
Die Jahresarbeit sollte den SchülerInnen nicht in einer möglicherweise vorhandenen Einseitigkeit bestärken, sondern Gelegenheit zu vielgestaltigen Aktivitäten geben. Bei der Themenwahl und Aufgabenstellung ist daher grundsätzlich zu berücksichtigen, dass auch bei künstlerischen und praktischen Arbeiten auf eine gedankliche Durchdringung des Tuns Wert gelegt wird; dies soll in einer klaren schriftlichen Darstellung zum Ausdruck kommen. Ebenso sollen gedanklich orientierte Arbeiten auch praktische oder künstlerische Elemente aufweisen.
Die SchülerInnen wählen einen schulischen oder außerschulischen Fachmentor, der ihn über das Jahr in regelmäßigen Abständen betreut. Bei schulischen Fachmentoren ist der Fachmentor zugleich Schulmentor, bei außerschulischen Mentoren wird dem Schüler ein Schulmentor hinzugestellt, (d.h. er ist vom Schüler nicht frei wählbar), wobei ein Schulmentor maximal vier SchülerInnen betreut. Bei Ratlosigkeit hinsichtlich der Themenfindung sollte der Klassenbetreuer oder ein Lehrer des eigenen Vertrauens um Hilfe gebeten werden.
Die SchülerInnen fangen ihre Jahresarbeit zum Schuljahresende der 10. Klasse an und beenden sie zur gleichen Zeit im Jahr darauf.
Die Arbeit beginnt damit, dass die SchülerInnen ihr Thema während der Ausstellung der Jahresarbeiten der nächst höheren Klasse in einem feierlichen Akt der Oberstufengemeinschaft bekanntgeben.
Während der ersten Wochen soll ein intensiver, mindestens vierzehntägiger Kontakt zwischen Schüler, Fachmentor und ggf. Schulmentor stattfinden, der einen guten Arbeitsbeginn garantiert.
Im Laufe des Jahres nimmt dann der Kontakt zugunsten einer größeren Selbständigkeit ab.
Jeweils vor den Ferienzeiten m u s s ein Zwischenbericht entsprechend dem Formblatt Jahresarbeit Zwischenbericht abgegeben werden, der vom Klassenbetreuer gesammelt wird.
Dieser Bericht dokumentiert die Kontinuität der Jahresarbeit und ist für das Bestehen der Jahresarbeit zwingend.
Mindestens ein Nachmittag soll in der 11. Klasse für die Anfertigung der Jahresarbeit freigehalten werden.